Mitteilung

29.09.2017 Meldungsnummer: 135

Dies academicus am 20. Oktober

Königsberger Kulturmagnet

Der Journalist Ludwig Goldstein (1867–1943):
Zeuge Ostpreußens im Reich

Eine Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft für ost- und westpreußische Landeskunde der Ludwigs-Maximilians-Universität München und des Hauses des Deutschen Ostens

 

Termin: Freitag, 20. Oktober, 16.15 Uhr bis 20 Uhr

Veranstaltungsort: Universitätsgebäude der LMU. Oettingenstr. 67, 80538 München, Hörsaal B001

Informationen zur Anfahrt finden Sie hier

Anmeldung an poststelle(at)hdo.bayern.de erbeten

 

Im Wort „Journalist” steckt der Tag; davon kündet auch die alte deutsche Bezeichnung „Tagesschriftsteller“. Und kaum ein Journalist bleibt über den Tag hinaus bekannt. Von dem vor 150 Jahren geborenen Ludwig Goldstein dürfte heute kaum jemand wissen.
Wenn wir heute an ihn erinnern, dann soll damit eines Mannes gedacht werden, in dessen Person sich drei bedenkenswerte Kreise kreuzen:
Jahrzehntelang hat er an der bedeutendsten ostpreußischen Zeitung das Kulturressort versehen, darüber hinaus wichtige landeskundliche Forschungen veröffentlicht und den Wiederaufbau nach dem Ersten Weltkrieg gefördert.
Mit dem Königsberger Goethebund hat er ungezählten jungen Künstlern, Schriftstellern zumal, den Weg zum Publikum geöffnet, aber auch Berühmte nach Ostpreußen geholt.
Als die Nationalsozialisten Deutschland regierten, wurde der Mann, der mehr als die meisten für deutsche Kultur und für das geistige Leben Ostpreußens getan hat und der sich zeitlebens durch und durch als Deutscher fühlte, als Judenmischling  geächtet.
So bleibt sein Leben ein Mahnmal dafür, was Kommunikationsvermittlung an Werten schafft, und was durch die Verweigerung menschlichen Miteinanders in friedlicher Kommunikation zerstört wird.

 

Programm

Heinz Starkulla jr.
„Unter den ostpreußischen Journalisten an führender Stelle“:
Die Königsberger Hartungsche Zeitung und ihr Feuilletonchef

Heinz Starkulla, Dr. phil., Privatdozent am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für ost- und westpreußische Landeskunde der LMU

 

Guy Stern
„Verdienst um die geistige Verbundenheit Ostpreußens mit dem Reiche“:
Was der Gründer und Vorsitzende des Königsberger Goethebundes für die deutsche Kultur geleistet hat

Guy Stern, Dr. phil., Dr. h. c., Distinguished Professor emeritus für Deutsche Literatur- und Kulturgeschichte der Wayne State University, Detroit, und Direktor des Institute of the Righteous am Holocaust Memorial Center, Farmington Hills, Michigan, USA

 

Julia Schweisthal
„Von gestern auf heute zum geistig-seelischen Tode verurteilt“:
Über die Ausgrenzung eines bekennenden Deutschen als „Halbjude“ im Dritten Reich

Julia Schweisthal, geb. Müller-Kittnau, Staatsexamen Deutsch / Geschichte / Sozialkunde, Abteilung für Jüdische Geschichte und Kultur der LMU und Universitätsbibliothek der LMU, arbeitet an einer Promotion zu deutsch-jüdischer Kindheit

 

Moderation: Andreas Otto Weber

Andreas Otto Weber, Dr. phil., Professor am Institut für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Direktor des Hauses des Deutschen Ostens, München

Im Anschluss kleiner Empfang

Ausführliche Informationen zu den Referenten:

Guy Stern

Guy Stern wurde 1922 in Hildesheim geboren. 1937 schickten ihn seine Eltern nach Amerika; seine Familie fiel der Judenvernichtung zum Opfer. Er studierte Romanistik und Germanistik, diente im Zweiten Weltkrieg in einer Aufklärertruppe der US-Armee – als einer der bekannten Ritchie-Boys – und befragte zwischen Invasion und Kriegsende deutsche Kriegsgefangene.
Nach Amerika zurückgekehrt, schloss er seine Studien ab und wurde Professor an einer ganzen Reihe amerikanischer Universitäten, so zum Beispiel der University of Cincinnati, wo er Vorstand der Abteilung für Germanistik war. Er hat die amerikanische Lessing Society mitbegründet und fungierte 1972 bis 1974 als Präsident der American Association of Teachers of German. Bis vor wenigen Jahren wirkte er als Distinguished Professor for German Studies an der Wayne State University, Detroit, der er, als weltweit führender Spezialist für Exilliteratur, bis heute eng verbunden ist.
Daneben leitet er bis heute das International Institute of the Righteous am ältesten Holocaust Memorial Center der USA in Farmington Hills bei Detroit. Das Institut, das er aufgebaut hat, befasst sich mit einem Aspekt, den die traditionelle Holocaust-Forschung gerade durch ihn erst in den Blick bekommen hat: der Rettung von Juden durch Nicht-Juden während des Dritten Reiches.
Wie diese Tätigkeit schon vermuten lässt, ist Guy Stern einer der großen Brückenbauer zwischen Deutschland und Amerika und zwischen Juden und Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. München seit seiner Forschungstätigkeit als Fulbright-Professor Anfang der sechziger Jahre eng verbunden, hat er Gastprofessuren an den Universitäten in Freiburg, Frankfurt/M., Leipzig, Potsdam und wieder München wahrgenommen. Bis heute ist er unermüdlich als ein begehrter Referent auf Fachtagungen weltweit und besonders in Deutschland unterwegs. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen und wurde 1987 und 2005 mit Festschriften geehrt.
Der Ehrenbürger von Hildesheim ist Träger der Goethe-Medaille und Inhaber des Bundesverdienstkreuzes. In diesem Jahr wurde er vom PEN Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland für sein Lebenswerk mit dem erstmalig vergebenen Ovid-Preis ausgezeichnet, und Frankreich verlieh ihm jüngst die höchste Auszeichnung des Landes, den Nationalorden der Ehrenlegion.

Julia Schweisthal

Julia Schweisthal, geb. Müller-Kittnau, Jahrgang 1988, hat ihr Germanistik- und Geschichtsstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit Staatsexamen abgeschlossen. Derzeit schreibt sie bei Professor Dr. Michael Brenner, Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur der LMU, an einer Dissertation „Wie lehrt und lernt man ‚Judentum‘? Narrative deutsch-jüdischer Kindheit der 1920er und 30er Jahre“. Einige Forschungsergebnisse zu jüdischer Kindheit und Identitätsbildung hat sie bereits in Fachzeitschriften veröffentlicht.
An diesem Lehrstuhl hat sie jahrelang als wissenschaftliche Hilfskraft gearbeitet, und war, davon ausgehend, an Einrichtungen wie dem Institut für Zeitgeschichte und der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit tätig. Sie trägt jetzt zur Koordination der  Aktivitäten des in New York, Berlin, London und Jerusalem angesiedelten Leo Baeck Institute bei. Seit 2015 ist sie auch Mitarbeiterin der Universitätsbibliothek der LMU.

Heinz Starkulla jr.

Heinz Starkulla jr., geb. 1950, hat an der Ludwig-Maximilians-Universität München Studien der Soziologie und der Zeitungswissenschaft abgeschlossen. Als wissenschaftliche Hilfskraft hat er für Professor Dr. Walter Bühl (Soziologie), als Assistent für Professor Dr. Hans Wagner (Zeitungswissenschaft) gearbeitet und sich für das letztere Fach auch habilitiert. Seit 1977 lehrt er am Institut für Kommunikationswissenschaft der LMU; Lehraufträge und Lehrstuhlvertretung ferner an den Universitäten Bamberg und Leipzig, der TU Dresden und der Universität der Bundeswehr München. Seit 2011 ist er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für ost- und westpreußische Landeskunde der LMU.
Seine Veröffentlichungen haben es in erster Linie mit Fachmethodik, Kommunikationstheorie und Kommunikationsgeschichte zu tun; einen besonderen Schwerpunkt bildet die Propagandaforschung.

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