Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Vertreibung der Ungarndeutschen – Erinnerung, Versöhnung und gemeinsames Miteinander

Am 19. Januar 2026 fand in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz die Gedenkveranstaltung anlässlich des 80. Jahrestages des Beginns der Vertreibung der Ungarndeutschen statt.

Die Veranstaltung wurde von hochrangigen Vertretern der bayerischen, deutschen und internationalen Politik besucht, darunter Prinz Ludwig von Bayern, Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Stephan Mayer MdB, Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV), Dr. Petra Loibl, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene; von Leitern der Kulturzentren sowie führenden Vertretern der Landsmannschaften der Deutschen aus dem östlichen Europa.

Prof. Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des Hauses des Deutschen Ostens, moderierte die Veranstaltung, die mit Grußworten von Ulrike Scharf, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, und Seiner Exzellenz Dr. Péter Györkös, Botschafter von Ungarn in der Bundesrepublik Deutschland, begann.

Ein Höhepunkt der Gedenkfeier war die Festrede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier VERZEIHEN, VERSÖHNUNG UND EIN NEUES AUFEINANDERZUGEHEN. Darin betonte er, dass es in der Geschichte immer wieder unerwartete positive Wendungen gibt, die Hoffnung schenken, dass belastende Zeiten nicht ewig dauern. Er würdigte, dass Ungarn und Deutschland heute an einem 19. Januar – dem Jahrestag der Vertreibung der Deutschen aus Ungarn – in friedlicher Versöhnung zusammenkommen. Das gemeinsame Gedenken an das erlittene Unrecht und Leid sei wichtig, ebenso wie das Bewusstsein für Verzeihen und ein neues Miteinander. Besonders hervorgehoben wurde in der Rede der bemerkenswerte Schritt des ungarischen Parlaments, einen nationalen Gedenktag für die Vertreibung der Ungarndeutschen einzurichten. Frank-Walter Steinmeier erinnerte an die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und den Holocaust, an das Leid der Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen, darunter über 200.000 Ungarndeutsche, sowie an die besondere Rolle der Frauen, die Tradition und Geschichte weitertragen. Die persönliche Geschichte von Anna Hahn verdeutliche diese Erfahrungen eindrücklich.

Auch Staatspräsident Dr. Tamás Sulyok hielt eine Festrede.

Musikalisch wurde die Veranstaltung von Szandra Holczinger (Gesang) und Mariann Molnár (Akkordeon) begleitet, die traditionelle Lieder wie „Adije main Schotz“ und „Nach meiner Heimat“ präsentierten.

Ein besonderer Moment war das Zeitzeugengespräch mit Anna Hahn, geb. 1934 in Pusztavám, Ungarn, moderiert von Dr. Sybille Krafft. Frau Hahn berichtete eindrucksvoll von ihren Erfahrungen während der Flucht und Vertreibung und vermittelte so die persönliche Dimension dieses historischen Ereignisses.

Olívia Schubert, Präsidentin der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten und Vizevorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, hielt eine weitere Festrede, die die Bedeutung der kulturellen Identität und des Zusammenhalts der Ungarndeutschen hervorhob.

Die Veranstaltung endete mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymnen und einem Empfang, zu dem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender einluden.

Im Rahmen des offiziellen Programms wurde zudem die HDO-Ausstellung UNGEHÖRT – DIE GESCHICHTE DER FRAUEN. FLUCHT, VERTREIBUNG, INTEGRATION präsentiert, die die besonderen Erfahrungen und Beiträge der Frauen in der Geschichte der Vertreibung beleuchtet.

Diese Gedenkveranstaltung war ein bewegendes Zeichen des Erinnerns, des Respekts und der Versöhnung und ein wichtiger Beitrag zur Bewahrung der historischen Wahrheit und zur Förderung des friedlichen Miteinanders in Europa.

Pressebild

Bildtext: An die Vertreibung der Ungarndeutschen vor 80 Jahren erinnerten (v.r.) Sozialministerin Ulrike Scharf, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Prof. Dr. Andreas Otto Weber vom Haus des Deutschen Ostens und der ungarische Staatspräsident Dr. Tamás Sulyok.

Foto: StMAS/Nötel