Programmreihen

 

Aktuelle Programmreihen

Zwischen Weinbau und Fachwerk – Deutsche in Georgien

Georgien, im Südkaukasus an der Grenze zwischen Europa und Asien gelegen, versammelt auf einer Fläche, die ungefähr der von Bayern entspricht, eine reiche Vielfalt an Natur und Kultur. Die Geschichte des Landes reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Im 19. Jahrhundert wurde es Teil des Russischen Zarenreichs, bevor es 1918 seine Unabhängigkeit erlangte. In dieser Zeit kamen deutsche Kolonisten in das Land. 1817/1818 waren dies vor allem radikale Pietisten aus Württemberg, die nach den Napoleonischen Kriegen vor Hungersnöten und religiöser Verfolgung flohen. Zar Alexander hatte ihnen Unterstützung zugesagt, und bot neben Land auch Steuer- und Religionsfreiheit an. Die neuen Siedler brachten Know-how in der Landwirtschaft und im Weinbau mit und konnten dies in Georgien, das auf die älteste bekannte Weinkultur der Erde zurückblickt, anwenden. Der größte von ihnen gegründete Ort hieß Katharinenfeld. Bis 1918 entstanden insgesamt 20 sogenannte „Schwabendörfer“. Mit der Besetzung Georgiens durch die Rote Armee 1921 und der Eingliederung in die Sowjetunion verloren die deutschen Kolonisten ihre Privilegien. Aus „Katharinenfeld“ wurde „Luxemburg“ (nach Rosa Luxemburg) und einige Jahre später „Bolnissi“.

In den 1930er Jahren war die deutsche Minderheit in Georgien einer verstärkten politischen Verfolgung ausgesetzt. Ab 1941 mit dem Angriff des Deutschen Reichs auf die Sowjetunion waren ihre Angehörigen wie alle Deutschen im Land von weiteren Deportationen und Verfolgungen betroffen. Von den zu diesem Zeitpunkt 24.000 Deutschen in Georgien wurden alle, die nicht mit Georgiern verheiratet waren, nach Kasachstan und Sibirien deportiert. Bis 1955 war es ihnen verboten, diese Deportationsgebiete zu verlassen.

1991 erklärte Georgien erneut seine Unabhängigkeit. Im gleichen Jahr gründete sich der Verein „Assoziation der Deutschen Georgiens – Einung“. Heute leben nur noch wenige deutschsprachige Menschen in Georgien, die Spuren der einstigen deutschen Kolonisten sind aber weiterhin zu entdecken und werden gerade in den letzten Jahren vermehrt untersucht. Das Land, das sich lange Zeit Richtung Westen und Europäische Union orientiert hat, nähert sich in jüngster Zeit politisch wieder mehr an Russland an.

In der Programmreihe „Zwischen Weinbau und Fachwerk – Deutsche in Georgien“ stellt das HDO das südkaukasische Land und die deutsche Minderheit, die dort lebte und teilweise heute noch lebt, in den Mittelpunkt. Den Auftakt bildet ein Überblicksvortrag der renommierten Kaukasusexpertin Prof. Dr. Eva-Maria Auch. Im Anschluss beschäftigt sich Dr. Lilia Antipow-Altrichter mit deutschen Architekten in Tiflis. Die Programmreihe wird 2027 fortgesetzt.

1. Dezember, Vortrag: Zwischen Trauben und Traumata. Zur Geschichte deutscher Siedlungen in Südkaukasien

Konfirmation in der Deutschen Kirche. Baku, 1931

Termin: Dienstag, 1. Dezember 2026, 19.00 Uhr

Referentin: Prof. Dr. Eva-Maria Auch (Berlin)

Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München

In diesem Sommer und Herbst jährt sich die Deportation der deutschstämmigen Bevölkerung aus den kaukasischen Unionsrepubliken der ehemaligen UdSSR nach Zentralasien und Sibirien zum 85. Mal. Während man die Wolgadeutschen noch die Kornernte einbringen ließ, leitete die Weintraubenernte in Südkaukasien im Oktober 1941 ein schreckliches Finale ein: Mit der Zwangsumsiedlung von rund 50.000 Deutschstämmigen, vor allem aus Georgien und Aserbaidschan, endete eine über 120-jährige Siedlungsgeschichte schmerzlich.

Not und religiöser Eifer hatten 1816/17 mehr als 1.200 Familien, überwiegend aus dem Schwäbischen, zur Auswanderung ins Russische Reich bewegt; etwa 500 Familien fanden zwischen Tiflis (Tbilisi) und Elizavetpol (Gäncä) eine neue Heimat. Ihre Verdienste als Weinbauern, Käser und Wagenbauer sowie im Schulwesen und in der Selbstverwaltung werden bis heute geschätzt. Als relativ kleine Siedlergruppe mit etwa 20.000 ehemaligen Kolonisten (1917) und als städtische Gemeinden in Tiflis, Gäncä und Baku waren sie Teil des deutschen Wirkens im Russischen Imperium und in der Sowjetunion und prägten die deutsch kaukasischen Beziehungen.

Die Geschichte dieser Gemeinschaften und das erhaltene kulturelle Erbe stehen im Mittelpunkt des Vortrags.

8. Dezember, Vortrag: Bauen zwischen den Kulturen. Deutsche Architekten in Georgien: Leopold Bielefeld (1838–1922), Otto Jakob Simonson (1829–1914) und David Grimm (1823–1898)

Alexander-Newski-Kathedrale, Architekt: David Grimm, Tbilisi, o.J.

Termin: Dienstag, 8. Dezember 2026, 19.00 Uhr

Referentin: Dr. Lilia Antipow-Altrichter (HDO)

Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München

Im 19. Jahrhundert wurde Tiflis/Tbilissi zur architektonischen Schnittstelle von Europa und Kaukasus. Drei deutschstämmige Architekten – Leopold Bielefeld, Otto Jakob Simonson und David Grimm – wirkten hier als Vermittler westlicher Ausbildung, imperialer Repräsentation und lokaler Bautraditionen. Ihre Werke reichen von neugotischen Kirchen und großbürgerlichen Residenzen über repräsentative Staatsbauten bis zu neobyzantinischen Kathedralen.

Der Vortrag beleuchtet biografische Wege, künstlerische Praktiken und Stilpluralismus jener Epoche sowie die ambivalente Rolle der Architektur als Modernisierungs- und Kolonialisierungsinstrument. Anhand ausgewählter Projekte und archivalischer Quellen wird gezeigt, wie transnationale Netzwerke, technisches Know how und kulturelle Aneignung das Gesicht der kaukasischen Metropole prägten und bis heute Spuren hinterlassen.

Frauen schreiben Geschichte(n)

Ishbel Szatrawska ist Gast der X. Ausgabe der HDO-Lesereihe „Frauen schreiben Geschichte(n)“. Sie findet seit 2021 in verschiedenen Formaten statt. Zusammen mit dem Onlineprojekt „Autorinnen lesen!“ bietet sie ein Forum für Schriftstellerinnen aus Deutschland und dem östlichen Europa. Geschichte und Gegenwart der Deutschen und ihrer Nachbarn in dieser Region spielen in ihrem Werk eine exzeptionelle Rolle. Historische Persönlichkeiten und fingierte Figuren werden dabei zu Akteuren in einem fiktionalen Geschehen. Darüber hinaus setzen sich die hier präsentierten Autorinnen in ihrem Werk mit verschiedenen Facetten des Themenspektrums Frauen auseinander: Frauenbilder und mythologisierende Stereotypen des Weiblichen, Formen der weiblichen Freundschaft und ihre soziale und psychologische Funktion, Kunst und Literatur als Schlüssel zu den emotionalen Bedingungen des weiblichen Seins in der Moderne – und vieles mehr. In ihren Romanen, Erzählungen und Lyrik, die vielfach ein individuelles Drama mit historischen Konstellationen und erzählerischer Spannung verbinden, befinden sich Frauen häufig auf der existentiellen Sinnsuche, die sich zwischen Heimat und Fremde abspielt.

17. November, Lesung: „Die Tiefe“ (2025)

Cover von "Die Tiefe" von Ishbel Szatrawska
Verlag Voland & Quist

Termin: Dienstag, 17. November 2026, 19.00 Uhr

Referentin: Ishbel Szatrawska (Krakau)

Moderation: Dr. Lilia Antipow-Altrichter (HDO)

Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München

In Kooperation mit: Generalkonsulat von Polen in München

„Die Tiefe“ erzählt über mehrere Generationen einer Familie, deren Schicksal untrennbar mit dem einstigen Ostpreußen verbunden ist, einer Grenzregion, in der sich polnische, masurische, deutsche und litauische Identitäten seit Jahrhunderten überlagern. Im Zentrum stehen die Großmutter Janka, die aristokratische Gudrun und ihr Geliebter Max, ein deutscher Chirurg, sowie Tante Gertraud, Jankas Sohn Wolf und die junge Anthropologin Alicja. Alicja kämpft mit der Entscheidung, das Elternhaus an der Guber zu verkaufen — ein geheimnisumwobenes Gebäude voller Erinnerungen und unausgesprochener Geschichten. Die Erzählung begleitet die Protagonistinnen und Protagonisten von den Schrecken des Krieges — dem Fall von Königsberg und Rastenburg und dem Vorrücken der Roten Armee — über die erstickende Stille des kommunistischen Polens, in dem die Vergangenheit nur im Flüsterton weiterlebt, bis in die Gegenwart, wo ein neuer Konflikt heraufzieht. Themen wie Erinnerung, Identität, Verlust und Versöhnung verweben sich zu einem vielstimmigen Familienporträt, das die Bruchlinien europäischer Geschichte spürbar macht.

Programmreihen-Archiv

 

Übersicht über die Veranstaltungen

 

Übersicht über die Veranstaltungen

 

Übersicht über die Veranstaltungen

 

Übersicht über die Veranstaltungen

 

Übersicht über die Veranstaltungen

 

Übersicht über die Veranstaltungen

 

Übersicht über die Veranstaltungen